Geschichte des Kantons Bern seit 1798: Band I
Beat Junker
Im Jahre 1420 gab der Berner Rat dem Stadtschreiber Konrad Justinger den Auftrag, eine Chronik der Stadt zu verfassen. Damit setzte in Bern eine amtliche Geschichtsschreibung ein, die bis ins 18. Jahrhundert fortgesetzt wurde.
Dem modernen politischen Verständnis in einem demokratischen Volksstaat, wie ihn der heutige Kanton Bern darstellt, wäre eine offizielle, von der Regierung angeordnete Geschichtsdarstellung nicht angemessen. Da aber nach wie vor bei weiten Bevölkerungskreisen das Bedürfnis besteht, die historische Entwicklung des eigenen Staatswesens kennenzulernen, hielt es der Historische Verein des Kantons Bern für seine Pflicht, die Herausgabe einer zeitgemässen Kantonsgeschichte in die Wege zu leiten, war doch schon das grossartige vierbändige Werk Richard Fellers über die Geschichte Berns bis 1798 in der Publikationsreihe des Vereins erschienen. Seit dem Jahre 1974 hat sich eine Gruppe des Vorstandes der Vorbereitungsarbeiten für eine bernische Kantonsgeschichte von 1798 bis zur Gegenwart angenommen. In der Person von Professor Beat Junker konnte ein kompetenter Kenner der Materie als Autor gefunden werden. In verdankenswertem Entgegenkommen hat der bernische Regierungsrat eine Regelung getroffen, die es Professor Junker seit 1978 ermöglicht, einen wesentlichen Teil seiner Schaffenskraft den für eine solche Publikation unabdingbaren Forschungsarbeiten zu widmen. Es hat sich bald einmal gezeigt, dass eine der politischen Bedeutung unseres Kantons entsprechende Darstellung nicht in einem Bande Platz findet. So ist nun die Kantonsgeschichte auf drei Bände angelegt. Dem jetzt vorliegenden ersten Bande, umfassend die Zeit von 1798 bis 1830, werden in Abständen von einigen Jahren zwei weitere Bände (Band II: 1831 bis zum Vorabend des 1. Weltkrieges; Band III: 1. Weltkrieg bis zur Gegenwart) folgen. Damit sollte zu Beginn der neunziger Jahre Bern über eine Gesamtdarstellung seiner Kantonsgeschichte verfügen.
Der Vorstand des Historischen Vereins schätzt sich glücklich, nun den ersten Band der Öffentlichkeit übergeben zu können. Für den Text ist der Autor allein verantwortlich. Den Bildteil stellte das Staatsarchiv zusammen (K. F. Wälchli, J. H. Wäber), wobei die bereitwillige Unterstützung durch Mitarbeiter des Bernischen Historischen Museums, der Burgerbibliothek Bern, der Schweizerischen Landesbibliothek, des bernischen Kunstdenkmäler-Inventars, der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern und des Kunstmuseums Bern hervorzuheben ist. Das Register bearbeitete M. Rindlisbacher, Stadt- und Universitätsbibliothek Bern, im Rahmen einer Bibliothekaren-Diplomarbeit.
Die historischen Karten wurden geschaffen im Geographischen Institut der Universität Bern (Abteilung Kultur- und Wirtschaftsgeographie: Prof. G. Grosjean, Kartograph A. Brodbeck).
Dankbar ist der Verein für einen Beitrag der Kantonalbank von Bern an die hohen Druckkosten, die den Finanzhaushalt des Vereins stark belasten. Um so wertvoller war die Unterstützung, die uns das Amt für Information und die Erziehungsdirektion (Staatlicher Lehrmittelverlag) bei der Information der Öffentlichkeit zuteil werden liessen.
Historischer Verein des Kantons Bern
Arbeitsgruppe Kantonsgeschichte
| K. F. Wälchli | H. A. Michel |
| F. Häusler | U. Im Hof |
Der vierte Band von Richard Fellers «Geschichte Berns» schildert den Ablauf des Geschehens bis Ende März 1798. Damals übergab die provisorische Regierung Berns die Geschäfte an die neuen Kantonsbehörden, wie sie die Verfassung der Helvetischen Republik vorsah. Hier setzt unsere Darstellung ein. Sie greift also nicht mehr zurück auf die Ereignisse vom 5. März 1798 und ihre unmittelbaren Folgen. Einbezogen ist jeweils das Gebiet, das zu Bern gehörte, der Jura samt Biel also erst von 1815 an. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt für das Oberland zwischen 1798 und 1803. Wir behandeln es für dieses Jahrfünft ebenfalls, obwohl es damals einen eigenen Kanton bildete. Gesamteidgenössisches haben wir nur soweit herangezogen, wie es zum Verständnis der Vorgänge in Bern nötig erscheint.
Richard Fellers Kantonsgeschichte reicht bis zum Untergang des Alten Bern, und es ist fraglich, ob er sie über diesen Zeitpunkt hinaus weitergeführt hätte, wenn ihm weitere Jahre des Schaffens vergönnt gewesen wären; denn er fühlte sich dem Ancien régime tiefer verbunden als den Zeiten danach.
Der Schreibende ist Richard Feller und seinem Werk auf mannigfache Weise verpflichtet, wie der Leser leicht feststellen kann. Aber er hat nicht versucht, den Schöpfer der «Geschichte Berns» nachzuahmen. Das müsste unecht wirken, ganz abgesehen davon, dass sich Richard Fellers Seh- und Ausdrucksweise ohnehin nicht kopieren lässt. Der Verfasser hat zwar als Student Richard Feller noch ein Semester lang hören dürfen, bevor dieser als Ordinarius für Schweizergeschichte an der Universität Bern zurücktrat. Aber er ist doch stärker geprägt durch andere Hochschullehrer und durch den Erlebniskreis der späteren Generation, der er selber angehört.
Aus der rede- und schreibfreudigen Zeit nach 1798 liegt zur Geschichte Berns viel Material vor. Es ist im allgemeinen noch wenig gesichtet und aufbereitet worden. Eine Art innerer Sperre hat anscheinend manchen Berner Historiker davon abgehalten, tiefer in die Vorgänge einzudringen, die schliesslich zur Niederlage und zum Sturz der überlieferten Ordnung in seiner Heimat führten. Aber nicht nur zur Helvetik, sondern auch zur Mediation und Restauration fehlen zum grossen Teil die Vorstudien. Hätte der Verfasser die ganze Masse der Quellen erschliessen wollen, so wäre damit die Publikation des Buches ungebührlich hinausgezögert, ja wohl verunmöglicht worden. Vor der Wahl zwischen einem perfekteren Werk in ferner Zukunft und einem unvollkommeneren in der Gegenwart, hat er sich für die zweite Variante entschieden, wohl wissend, wieviele Lücken unter diesen Umständen in seiner Darstellung offen bleiben und wieviel interessanten Stoff er künftigen Forschern zur Bearbeitung übrig lässt. Für einzelne Sondergebiete hofft er, im nächsten Band durch Rückgriffe das eine oder andere nachzutragen.
Auch wenn ein einzelner als Autor zeichnet, ist sein Buch im Grunde doch stets das Werk vieler, die ihn durch Anregungen und Hinweise unterstützt haben. Die Zahl solcher Helfer ist in unserem Falle derart gross, dass wir ihnen unseren aufrichtigen Dank gemeinsam abstatten möchten. Ausdrücklich genannt sei aber gleichwohl das Staatsarchiv des Kantons Bern, welches den grössten Teil der organisatorischen Arbeit geleistet hat, ohne welche die «Geschichte des Kantons Bern seit 1798» nie erschienen wäre.
Beat Junker
07/98, © Historischer Verein des Kantons Bern
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